ERKLÄRUNG DES VEREINS MONETATIVE E.V. ZUR GRIECHENLAND-KRISE

14.Juli 2015


5 BILLIONEN EURO ZUR STAATSENTSCHULDUNG DURCH EUROPÄISCHE VOLLGELDREFORM


Nicht nur Griechenland, auch andere Euro-Länder wie Deutschland liegen weit über der vereinbarten Schuldengrenze von 60% des BIP, was auch durch die teuren Banken-Rettungsprogramme der letzten Finanzkrise verursacht wurde. Die Tendenz ist trotz scharfer Sparmaßnahmen weiter steigend. Die derzeitige griechische Schuldenkrise ist daher nur der Vorbote weiterer Schuldenkrisen im Euro-Raum, denn der Anstieg der Staatsverschuldung ist ungebremst. Derzeit will die EZB im Zuge des laufenden Programms der quantitativen Lockerung mehr als 1,2 Billionen € neues Zentralbankbuchgeld schaffen, um die Wirtschaft im Euroraum zu beleben und Banken und Finanzmärkte zu stabilisieren. Wir schlagen vor, dass mit diesem Geld von der EZB begonnen wird, die Europäischen Staaten zu entschulden. Das ist inflationsneutral möglich, wenn es mit dem Übergang zu einer neuen Vollgeldordnung verbunden wird, bei dem den Banken entweder schrittweise oder zu einem Stichtag die Möglichkeit zur eigenen Giralgeldschöpfung entzogen wird.

Das von den Banken selbst produzierte Geld kann dann schrittweise aus dem Zahlungsverkehr geschleust und ohne Ausweitung der Geldmenge durch Zentralbankgeld ersetzt werden, das ausschließlich von der Zentralbank selbst stammt. Zur Tilgung der europäischen Staatsschulden steht bei dieser Umstellung auf ein Geldsystem mit ausschließlich öffentlich geschöpftem Geld einmalig die Summe des gesamten von den Banken im Euroraum geschöpften Giralgeldes zur Verfügung (ca. 5 Billionen € Stand April 20151). Dadurch könnten die ca. 9,5 Billionen € europäische Staatsschulden (Stand 2014, Tendenz steigend) ohne problematische Austeritätsprogramme und Schuldenschnitte europaweit unter die im Maastricht-Vertrag genannten 60 % gesenkt werden.

Allein durch die ersparten Zinsen könnten Freiräume geschaffen werden, um die Folgen der sozialen Krise spürbar zu mildern. Für die Menschen ergeben sich neue Lebensperspektiven, die vorteilhaft für Europa als Ganzes wirken könnten.

Europa hätte wieder eine Zukunft und könnte die wirklichen Probleme angehen statt permanent über Finanzkrisen zu diskutieren.


Klaus Karwat, 1. Vorsitzender Monetative e.V.

 

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1 Monatsbericht Bundesbank Juni 2015 Statistischer Teil S.11,
täglich fällige Einlagen von Unternehmen und Privatpersonen